Von der Ersten bis zur Letzten

Prof. Dr. med. Wolfgang Kamin
Prof. Dr. med. Wolfgang Kamin
U1: Erste Vorsorgeuntersuchung des Neugeborenen

Unmittelbar nach der Geburt erfolgt die erste Vorsorgeuntersuchung des Säuglings. Die Hebamme oder ein Kinderarzt untersuchen den Gesundheitszustand des Kindes, um sicherzugehen, dass dieses die Geburt unbeschadet überstanden hat. In einminütigen, fünfminütigen und zehnminütigen Etappen werden die Atmung, der Puls, die Grundhaltung, das Aussehen und die Reflexe begutachtet (APGAR-Test). Anschließend sind diese zu bewerten. Jedes Ergebnis wird einzeln auf einer Skala von null bis zwei Punkten eingeordnet, daraufhin werden alle Punkte addiert. Solange das Gesamtergebnis die Grenze von fünf Punkten nicht unterschreitet, ist das Baby in der Regel gesund. Ist dies nicht der Fall, so muss der Säugling medizinisch versorgt werden. Auch der Sauerstoffgehalt des Nabelschnurbluts wird untersucht. Treten abweichende Werte auf, so wird das verschluckte Fruchtwasser abgesaugt. Gleichzeitig findet eine Untersuchung statt, die sicherstellen soll, dass Speiseröhre und Nase frei sind. Der Säugling wird mit Vitamin-K-Tropfen versorgt, um einer Blutgerinnungsstörung vorzubeugen.

U2: Neugeborenen-Basisuntersuchung

Meistens erfolgt die U2 in der Entbindungsklinik. Falls Eltern sich jedoch für eine Entbindung im Geburtshaus oder Zuhause entscheiden, sollten sie den Vorsorge-Termin zwischen dem dritten und zehnten Lebenstag nicht vergessen. Das Gleiche gilt für ambulante Entbindungen. Für Nachzügler: Es ist möglich, die Untersuchung bis zwei Wochen nach der Geburt, also bis zum 14. Lebenstag, nachzuholen. Ansonsten wird die U2 als Individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) abgerechnet.

Bei der U2, Neugeborenen-Basisuntersuchung, wird das Neugeborene einmal „komplett“ untersucht. Bestandteile der Untersuchung sind Folgende:

Die zarte Haut des Babys wird hinsichtlich ihrer Farbe und ihres Zustandes betrachtet. Bei vielen Neugeborenen tritt nach der Geburt eine Gelbsucht auf. Die gelbe Färbung entsteht durch überschüssiges Bilirubin, das sich in der Haut ablagert. Sobald diese sich zu intensiv ausbreitet, erhält der Säugling eine Fototherapie, welche der Gelbsucht entgegenwirkt. Ist die Hautfarbe blass oder bläulich, kann dies auf Infekte, Blutarmut oder einen Herzfehler hindeuten. Pigmentstörungen sind hingegen eher harmlos. Neben dem Herz- und Kreislaufsystem, bei der die Funktion von Herz und Lunge im Fokus steht, wird auch die Atmung untersucht. Dabei wird die Lunge intensiv abgehört und auf eventuelle Gesichtsverfärbungen des Säuglings geachtet. Ein weiterer Schwerpunkt der Untersuchung ist der Bauch des Neugeborenen. Kann der Säugling seine Nahrung ohne Beschwerden beim Schlucken aufnehmen und erbricht sich dabei nicht, so ist der Magen-Darm-Trakt gesund und funktionstüchtig. Auf Infektionen während der Schwangerschaft wird häufig aufgrund einer vergrößerten Leber oder Milz geschlossen. Auch die Geschlechtsorgane werden genauer begutachtet. After, Hoden oder Scheide werden auf Funktionsfähigkeit geprüft. Ein Hörscreening erfolgt, um das Gehör des Babys zu testen. Der Stoffwechsel-Screening-Test soll angeborene Stoffwechsel- oder Schilddrüsenkrankheiten ausschließen. Außerdem wird das gesamte Skelett-, Muskel- und Nervensystem des Säuglings mit dem „Wäscheleinen-Phänomen“ untersucht. Dabei wird das Neugeborene an Daumen und Zeigefinger vorsichtig hochgehoben. Neben jeglichen Gliedmaßen, werden Wirbelsäule, Schlüsselbein und die gesamte Muskulatur überprüft. Reflexe werden ebenfalls untersucht. Ein Wachstum des Gehirns lässt sich in der Regel aus dem Kopfumfang des Babys ableiten.

U3: Dritte Früherkennungsuntersuchung

U3: Dritte Früherkennungsuntersuchung
Die Untersuchung findet in der Regel in der 4. – 5. Lebenswoche statt, und kann spätestens bis zur 8. Lebenswoche nachgeholt werden. Ansonsten wird sie Eltern ebenfalls als „IGeL“ berechnet. Sie ist besonders wichtig, da in dieser Phase Krankheiten und Fehlbildungen beim Neugeborenen diagnostiziert werden können. Eltern erleichtern dem Kinderarzt die Arbeit, indem sie Beobachtungen über eventuelle Probleme und Beschwerden des Säuglings während der ersten Zeit mitteilen. So kann eine detaillierte Bewertung des Gesundheitszustandes erfolgen. In der U3 erfolgt außerdem eine erste Impfberatung.

Bestandteile der Untersuchung: Messen, wiegen, Reflexe, Allergien, Trink-, Ess- und Schlafverhalten, Organsysteme, evtl. Massage (bei Fehlbildungen), evtl. Blutprobe (bei Stoffwechselstörungen), geistige, motorische und soziale Entwicklung, Hörvermögen.

Entwicklung des Kindes: Die Muskulatur des Kindes prägt sich aus, so dass es bereits in Bauchlage den Kopf kurze Zeit heben kann. In Rückenlage kann es bewegten Gegenständen mit dem Kopf folgen. Da sich die Nackenmuskulatur noch entwickeln muss, kann das Baby den Kopf im Sitzen lediglich unsicher balancieren. Es kann eine Lichtquelle mit den Augen verfolgen und reagiert auf einen Glockenschlag. Greifen klappt auch schon ganz gut: Das Kind ist schon in der Lage, eine Rassel kurzzeitig in der Hand zu halten. Die Kommunikation erfolgt größtenteils durch Schreien. Allerdings gibt das Kind auch andere Laute von sich. Doch es kann auch schon Gestik und Mimik nachahmen, zum Beispiel Zungeherausstrecken. Eine erste Bindung zu den Eltern wird aufgebaut. Das Baby beruhigt sich, wenn es auf den Arm genommen wird, interessiert sich für Gesichter und kann Blickkontakt halten. Außerdem macht es auch kognitive Fortschritte. So kann das Kind zwischen Objekten unterscheiden. Stimme und Geruch der Mutter erkennt es schon kurz nach der Geburt.

U4: Erster Impftermin

U4: Erster Impftermin
Der erste Impftermin erfolgt zwischen dem 3. und 4. Lebensmonat und ist bis zum 4 ½ Monat nachzuholen, falls er versäumt wird. Andernfalls wird die U4 ebenfalls als IGeL in Rechnung gestellt.

In der U4 werden unter anderem Seh- und Hörvermögen untersucht. Aufschluss darüber geben Fähigkeiten wie Richtungshören und Hand-Augen-Koordination. Der Kinderarzt testet die Reaktionen des Kindes und versucht, durch soziale Kontaktaufnahme eine Einschätzung zu geben. Störungen im Gehirn können durch ungewöhnliche oder unzureichende Reaktionen erkannt werden.

Bestandteile der Untersuchung: Reaktionsvermögen, Beweglichkeit, Entwicklungsfortschritte (z.B. neurologische Entwicklung), Organe, Geschlechtsteile, Größe der Fontanelle (Schädelwachstum), Kopfumfang, Gewicht, Länge, körperliche Untersuchung (wie bei U2), Fragen zur Nahrungsaufnahme, Informationen über Rachitis- und Kariesvorbeugung, Impfinformation, erste Impfung: Tetanus, Keuchhusten, Diphterie, Kinderlähmung, Hepatitis B und Pneumokokken, Haemophilus influenzae Typ b (Hib)

Entwicklung des Kindes: Immer weiter schreitet die Entwicklung voran. Das Kind kann mit den Augen und dem Kopf Bewegungen um 180° verfolgen, das Halten des Kopfes fällt leichter und erfolgt in beide Richtungen. Es kann nun schon in Bauchlage die Hände zusammenführen und beidseitig nach Spielzeug greifen. Auch die Beinchen können problemlos gestreckt werden. Insgesamt wird das Kind aufmerksamer und nimmt Details viel genauer wahr, es erkundet seine Umgebung. Der Kopf wird häufiger in Richtung der Geräuschquelle gedreht. Die Neugierde steigt: Immer öfter nutzt der Säugling die eigene Hand zur Wahrnehmung und führt diese zum Mund. Auch das Greifen erfolgt gezielter. Kognitive Fortschritte sind klar erkennbar. So versteht das Kind mittlerweile, dass Objekte nicht verschwinden, wenn sie versteckt werden. Außerdem merkt es sich Gelerntes jetzt eine Woche lang. Primitivreflexe verschwinden zunehmend. Das Baby wird jetzt richtig aktiv: Es lacht und quietscht vor sich hin, entwickelt schon verschieden klingende Laute und äußert dadurch Bedürfnisse. Dabei variiert es bereits die Lautstärke und Tonhöhe. Des Weiteren kann es schon auf verschiedene Stimmlagen reagieren, ob verärgert oder freundlich. Auch von den Lippen kann es verschiedene Vokale ablesen und verstehen. Erste Versuche der Kommunikation erfolgen: Das Baby fängt schon an, ein wenig zu brabbeln. Es hält ebenfalls schon Blickkontakt mit Eltern und anderen Menschen und kommuniziert mit Hilfe von Mimik und Gestik.

U5: Baby macht Fortschritte

U5: Baby macht Fortschritte
Im 6. bis 7. Lebensmonat erfolgt die U5, bei der besonders auf die Koordination der Hände geachtet wird. Auch die Sprache des Kindes sowie die Eltern-Kind-Beziehung werden untersucht. Wenn diese Untersuchung nicht bis zum 8. Lebensmonat nachgeholt wird, fällt sie wie üblich als IGeL an. Bis zum 5. Lebensmonat sollten bereits alle drei Impfungen der Grundimmunisierung erfolgt sein.

Bestandteile der Untersuchung: allgemeine Entwicklungsfortschritte, körperliche Untersuchung, Körperbeherrschung, Beweglichkeit, Überprüfung der Haut (z.B. auf Muttermale oder Blutschwämmchen), erneutes Prüfen des Hör- und Sehvermögens

Entwicklung des Kindes: Die ersten Milchzähne sind zu erkennen und der Säugling macht weiterhin große Entwicklungsfortschritte. Das Kind wird in seinen Bewegungen immer koordinierter: Es entwickelt eine Seitenstützreaktion auf offenen Handflächen und eine Sprungbereitschaft in der Bauchlage. Außerdem greift es nach allen möglichen Gegenständen. Dabei beherrscht das Kind bereits den Wechselgriff, Scherengriff und ab dem 9. Monat auch den Pinzettengriff. Die Feinmotorik wird insgesamt also immer fortgeschrittener. Generell werden jetzt also alle Gegenstände mit Hilfe von beiden Händen, Füßen und Mund genaustens untersucht. Auch die Entwicklung der Spontanmotorik ist nun zu erkennen: Aufrichten, Drehung vom Bauch auf den Rücken und umgekehrt, Führen der Füße zum Mund, robben (zunächst rückwärts). Mittlerweile kann der Säugling schon einfache Rechenaufgaben mit wenigen Objekten verstehen und Musik wahrnehmen. Immer häufiger folgt das Kind nun dem Blick der Eltern, es nimmt seine Umgebung von Tag zu Tag besser wahr. Außerdem macht es immer größere Schritte bezüglich der Kommunikation. So lallt es hin und wieder verdoppelte Silben (z.B. „dada“) und bildet daraus Ketten, die in Kombination manchmal schon eine Art Antwort ergeben. Denn inzwischen reagiert das Baby auch auf seinen Namen. Der bewusste Einsatz der eigenen Stimme ist an unterschiedlichen Tonhöhen und Betonungen zu erkennen. Das Kind kann bereits Laute der Muttersprache von fremden Sprachen unterscheiden. Außerdem ist es nun in der Lage, Gesichtsausdrücke zuzuordnen. Klar erkennbar ist, dass das Kind schon ein echtes Sozialverhalten entwickelt. So kann es nun auch schon zur ersten Fremdelphase kommen, da die Bindung zu Mama und Papa immer stärker wird.

U6: Letzte Vorsorgeuntersuchung im Säuglingsalter

Bald ist der Säugling kein Säugling mehr, sondern ein Kleinkind. Zwischen dem 10. und 12. Lebensmonat findet die letzte Vorsorgeuntersuchung im Säuglingsalter statt. Diese soll Aufschluss über den Entwicklungsstand des Kindes geben. Neben den allgemeinen Körperfunktionen, werden außerdem die Feinmotorik und das Sozialverhalten des Säuglings unter die Lupe genommen.

Nun werden die ersten „Lebendimpfungen“ vorgenommen, ungefähr ab dem 11. Lebensmonat. Dabei wird das Kind gegen Mumps, Masern, Röteln (MMR) und gegen Windpocken geimpft. 6 Monate nach der ersten Grundimmunisierung wird diese wiederaufgefrischt. In der Regel also im Alter von 11 bis 14 Monaten. Außerdem erfolgt eine 4. Impfung gegen Pneumokokken. Gegen Meningokokken werden Kinder ab einem Alter von 12 Monaten geimpft.

Bestandteile der Untersuchung: körperliche Untersuchung (bei männlichen Säuglingen besonders der Hoden), Hand- und Augenkoordination, Grob- und Feinmotorik, erneutes Überprüfen der Körperbeherrschung und Beweglichkeit, Sprachentwicklung, soziale und emotionale Entwicklung (Fremdeln), Körper- und Raumwahrnehmung

Entwicklung des Kindes: Das Krabbeln wird immer sicherer. Der Säugling wird weiterhin beweglicher. Freies Sitzen ist kein Problem mehr. Möbel werden nun oft genutzt, um sich daran hochzuziehen oder daran entlang zu gehen – der sogenannte Reling-Gang. Auch Mamas und Papas Hand dienen als Unterstützung beim Laufen. Insgesamt hat das Baby schon ein gutes Gleichgewicht entwickelt. Es macht jetzt immer häufiger Schrittbewegungen auf der Stelle. Die Feinmotorik wird ebenfalls besser: Mittlerweile beherrscht der Säugling neben dem Zangengriff auch den Pinzettengriff, der ihm erlaubt kleine Gegenstände mit Zeigefinger und Daumen zu greifen. Spielzeug wird jetzt häufiger mit Absicht weggeworfen oder aneinander geklopft. Zudem entwickelt sich eine Liebe zum Detail: Das Kind zeigt auf viele Dinge mit dem Zeigefinger. Das Verhalten wird immer intelligenter. Gegenstände und Personen kann das Kind inzwischen anhand des Namens erkennen und sucht diese durch Kopfdrehen, wenn es danach gefragt wird. Es kann Aufforderungen befolgen, reagiert zum Beispiel auf Verbote. Eine Beziehung zu vertrauten Menschen ist zu erkennen: Sie werden vom Säugling begrüßt. Das Kind zeigt nun auch deutlich mehr Emotionen (z.B. Trotzverhalten, stärkeres Fremdeln, Freude bei Spielen). Die Sehqualität des Säuglings ist nun genauso gut wie die eines Erwachsenen. Auch erste Silben werden in sinnvollen Kombinationen ausgesprochen. Das Kind beherrscht schon 20 Wörter.

U7: Zweijahres-Untersuchung

Die Zweijahres-Untersuchung findet in der Regel nach 21 bis 24 Lebensmonaten statt. Besonderer Fokus wird auf die geistige Entwicklung gelegt. Die U7 muss spätestens bis zum 27. Lebensmonat nachgeholt werden, ansonsten steht wie üblich eine IGeL-Rechnung aus.

Bestandteile der Untersuchung: Entwicklungsfortschritt, geistige und soziale Entwicklung, körperliche Untersuchung, Gewicht, Größe, Sinnesorgane, Skelettsystem, Gebiss, Sauberkeitserziehung, versäumte Impfungen

Entwicklung des Kindes: Sowohl die Feinmotorik als auch die Grobmotorik werden jetzt perfektioniert. Das Kind wird deutlich geschickter mit beiden Händen und baut beispielsweise schon Türme aus Spielklötzchen. In seinen Bewegungen ist es nun sicherer und führt diese flüssig aus. Das eigene Gleichgewicht zu halten, stellt auch keine großen Probleme mehr dar. So kann das Kind symmetrisch rückwärtslaufen, aus der Hocke ohne Stütze aufstehen und Hindernissen ausweichen. Auch das Ballspiel bereitet ihm Freude: Das Kind kann Bälle mit beiden Füßen und Händen kicken/ werfen. Insgesamt wird es selbständiger. Es spielt viel mit Gleichaltrigen und kommuniziert auch viel sicherer. Schließlich beherrscht es jetzt schon 10 Worte und kann 250 Worte verstehen. Es werden Wörter kombiniert und kurze Sätze gebildet (aus ca. 2 Wörtern). Inzwischen verwendet das Kind nicht nur die Mehrzahl, sondern benennt auch bekannte Gegenstände und ruft vertraute Menschen beim Vornamen. Eltern können Aufforderungen nun detaillierter stellen, so dass ihr Kind diese befolgt. Es schaut oft in den Spiegel, da es sich jetzt dort erkennt – ein Ich-Bewusstsein entwickelt sich.

U7a: Zusatzuntersuchung

U7a: Zusatzuntersuchung
Zwischen dem 34. bis 36. Lebensmonat, also mit 3 Jahren, kann eine zusätzliche Vorsorgeuntersuchung vorgenommen werden. Diese dient dazu, Beschwerden wie Übergewicht und Allergien, aber auch Verhaltens-, Sozialisations- und Verhaltensstörungen frühzeitig zu erkennen. Dazu sollen ebenfalls Zahn-, Mund- und Kieferanomalien ausgeschlossen werden.

Bestandteile der Untersuchung: Entwicklungsfortschritt, körperliche Untersuchung, Gewicht, Größe, Infektionen, Impfschutz, Früherkennung (z.B. Sehstörungen, Allergien usw.)

Entwicklung des Kindes: Die Motorik des Kindes entwickelt sich weiter. Aktivitäten wie Dreirad fahren sind mittlerweile schon möglich. Allmählich findet das Kind Gefallen an mechanischen Dingen (z.B. Geräte, Lichtschalter), das alte Spielzeug ist also langsam uninteressant. Anspruchsvolle Spiele wie Puzzles sind nun angesagt. Sprachliche Fortschritte sind ebenfalls erkennbar: Der Wortschatz des Kindes hat sich auf 300 Wörter gesteigert, so dass es langsam kurze, grammatikalisch korrekte Sätze formulieren kann. Lieder und Reime sind jetzt immer beliebter. Auch die Interaktion mit anderen Kindern entwickelt sich, vielleicht gibt es bereits einen Lieblings-Spielpartner. Beim gemeinsamen Spielen wird der Charakter des Kindes geformt, es lernt beispielsweise zu teilen.

U8: Bald im Vorschulalter

Die U8 steht im Alter von 4 Jahren an, zwischen dem 46. und 48. Lebensmonat. Schwerpunkte der Untersuchung sind: Früherkennung bestimmter Erkrankungen, emotionale Festigkeit, geistige Reife des Kindes, Wachstum, Sprach- und Sozialentwicklung.

Bestandteile Untersuchung: Entwicklungsfortschritt, Sprachentwicklung, Körperbeherrschung, Skelettsystem, erneutes Überprüfen des Sprach- und Hörvermögens, Sehtest, Blutdruck messen, Urinuntersuchung, internistische Untersuchung, Sozialverhalten, Konzentrations- und Wahrnehmungsvermögen, Schlafverhalten, Feinmotorik, Essgewohnheiten, Tuberkulin-Test, Früherkennung (z.B. von Verhaltensauffälligkeiten, Herzfehlern usw.), Risikofaktoren.

Entwicklung des Kindes: Das Kind verbessert sein Gleichgewicht: Es kann beispielsweise inzwischen schon für kurze Zeit ohne Stütze auf einem Bein stehen (etwa 3-4 Sekunden). Auch beim Zeichnen und Basteln gibt es Fortschritte. So gelingt es dem Kleinkind schon, einen „3-Strich-Menschen“ zu malen, einen Kreis mit Hilfe einer Vorlage zu zeichnen und auszumalen oder eine Schere zum Ausschneiden zu verwenden. Neben feinmotorischer Geschicklichkeit, sind erneut kognitive Entwicklungsschritte zu erkennen. Das Kind entwickelt ein Zeitverständnis und ein autobiographisches Gedächtnis. Es versteht nun auch räumliche Beziehungen, zum Beispiel, dass verschiedene Menschen aus unterschiedlichen Perspektiven sehen. Sprachlich geht es weiter voran! Kinder können zu dieser Zeit grammatikalisch korrekte Fragen (aus ca. 5 bis 6 Wörtern) formulieren. Manchmal entsteht schon eine echte Unterhaltung mit dem Kind. Es kann teilweise schon kleine Witze erzählen. Insgesamt kann es sich nun viel besser ausdrücken, zum Beispiel Gegenstände benennen und beschreiben. Bekannte Adjektive und Präpositionen gehören fortan auch zum Sprachrepertoire des Kindes. Außerdem entstehen bereits erste Anzeichen einer Schrift, zwar noch etwas gekritzelt, aber das ändert sich auch noch. Kinder im Alter von 4 Jahren spielen in der Regen gerne Rollenspiele und fühlen sich durch Wettbewerbe herausgefordert. Es ist jetzt viel selbstständiger, eine Fremdelphase kommt nicht mehr vor. Eine gewisse Persönlichkeit ist bereits erkennbar, auch ein Verständnis für Sauberkeit entwickelt sich.

U9: Bereit für die Schule?

Bevor die Einschulung ansteht erfolgt die U9. In der Regel zwischen dem 60. und 64. Lebensmonat, also mit 5 Jahren. Bei der Untersuchung liegt der Fokus auf sozialen und sprachlichen Fähigkeiten des Kindes. Zudem sollen mögliche Grundkrankheiten, als auch Wahrnehmungs- und Motorikstörungen erkannt werden. Die Untersuchung muss bis zum 66. Lebensmonat nachgeholt werden und sollte nicht vor dem 58. Lebensmonat erfolgen.

Bestandteile der Untersuchung: Kindesentwicklung (geistig, seelisch, körperlich), Seh- und Hörvermögen, Blutdruck messen, Urinuntersuchung, Organe, Fußstellung, Körperhaltung, Intelligenz, Sozialverhalten, Sprachvermögen, Schlaf- und Konzentrationsstörungen, Hinweis auf Auffrischungsimpfung (Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten), unvollständiger Impfschutz wird ergänzt (z.B. zweite Windpocken-Impfung), Einschätzung zur Schulreife.

Entwicklung des Kindes: Das Verständnis für die Umwelt wird immer besser. Kinder im Alter von 5 Jahren können sich bereits in andere Personen hineinversetzen. Sie verstehen, dass diese andere Gefühle und Gedanken haben als sie selbst. Vorsicht an alle Eltern: Das Kind kann nun auch flunkern! Das Gleichgewicht wird immer besser. Mittlerweile schafft das Kind es, freihändig auf einem Bein für 8 Sekunden zu stehen und ein paar Mal auf der Stelle zu hüpfen. Der Zehen-Hackengang vorwärts ist auch kein Problem. Mit dem Ball wird es ebenfalls geschickter, prellt das Spielgerät und fängt es mit beiden Händen wieder auf. Zeichnen kann das Kind nun ein Kreuz, Quadrat und Dreieck mit Vorlage. Auch den „6-Teile-Menschen“ malt es sicher. Inzwischen kann das Kind bis 10 zählen, es nutzt beim Abzählen die eigenen Finger zur Orientierung. Kinder erzählen nun immer mehr, zum Beispiel von Erlebnissen mit der Familie. Sie verfügen schon über ein Vokabular von bis zu 8000 Wörtern! So fällt es ihnen leicht, Wörter zu definieren und etwas in logischem Zusammenhang zu erzählen. Das Kind schreibt jetzt auch schon seinen eigenen Vornamen. Außerdem kann es sich immer mehr in soziale Gefüge einordnen (z.B. im Kindergarten) und möchte seinen Freunden gefallen.

U10: Auf geht‘s in die Schule!

Die U10 ist zwar eine Zusatzuntersuchung und wird daher nicht von allen Krankenkassen übernommen, wird aber von vielen Kinder- und Jugendärzten empfohlen. Sie findet im Alter von 7 bis 8 Jahren statt, innerhalb der ersten zwei Grundschuljahre. Durch die Untersuchung sollen Störungen der motorischen Entwicklung und Verhaltensstörungen (z.B. ADHS) ermittelt werden. Auch Schwierigkeiten beim Lesen, Schreiben oder Rechnen sollen erkannt werden. Ziel ist es, so früh wie möglich gegen Probleme und Störungen vorzugehen.

Bestandteile der Untersuchung: Eventuelle Entwicklungsstörungen (z.B. Lese- und Rechtschreibschwäche), Gespräch mit dem Kind, EKG, Urinuntersuchung, Blutdruck messen, Cholesterinwert, Therapieempfehlung (falls notwendig).

Entwicklung des Kindes: Im Grundschulalter werden Kinder immer kreativer. Sie entwickeln ein komplexes Denken, indem sie beispielsweise mehrere Optionen finden, um Probleme zu lösen. Der Bezug zu Lehrern und Mitschülern wird immer stärker. Das Kind vergleicht sich nun mit seinen Freunden, möchte manchmal vielleicht genauso „cool“ sein wie andere. Gruppenaktivitäten (z.B. Ausflüge mit der Klasse) werden attraktiver, der Freundeskreis und Kontakt zu Gleichaltrigen folglich größer. Die Intelligenz steigert sich ebenfalls bemerkenswert: Das Kind beherrscht schon ein paar Rechtschreibregeln und korrigiert seine eigenen Fehler beim Sprechen. Es kann auch schon Laute und Buchstaben miteinander verbinden.

U11: Weitere Vorsorgeuntersuchung für Schulkinder

Auch die U11 ist eine ergänzende Vorsorgeuntersuchung, die im Alter von 9 bis 10 Jahren empfehlenswert ist. Bewegungsförderung, Sport und gesundheitsbewusstes Verhalten sind einige der Hauptbestandteile der Untersuchung.

Bestandteile der Untersuchung: Ernährung, eventuelles Übergewicht, Zahn-, Mund- und Kieferanomalien, Sozialisations- und Verhaltensstörungen, Schulleistung, Medienverhalten, Umgang mit Suchtmitteln

Entwicklung des Kindes: Das Kind denkt immer mehr über die eigenen Gedanken nach, entwickelt eine Metakognition. Es zeichnet bereits dreidimensional. Außerdem verbessern es seub Sprachverständnis: Grundlegende Rechtschreib- und Grammatikregeln gehören zum Repertoire des Kindes. Es versteht sogar schon sprachliche Mittel, zum Beispiel Metaphern.

J1: Untersuchung für Jugendliche

Im Alter von 12-14 Jahren gibt die J1-Untersuchung Aufschluss über den Gesundheits- und Entwicklungsstand des Jugendlichen. Der Kinder- und Jugendarzt ermittelt durch den allgemeinen Check zudem eine Einschätzung des Sozialverhaltens und der schulischen Leistung. Dies ist der erste Test, der ohne Begleitung der Eltern stattfindet.

Bestandteile der Untersuchung: Entwicklung, Größe, Gewicht, Blutdruck messen, Blut- und Urinuntersuchung Skelettentwicklung, Zustand der Haut, Sexualität, Impfstatus (eventuell Auffrischung), Schriftbild, soziale Konflikte, Themen: Drogen, Alkohol, Ernährung, Sport, Verhütung.

Entwicklung des Kindes: Mit der Pubertät entsteht bei Mädchen eine hormonelle Umstellung (ab ca. 10-12 Jahren). Der Körper verändert sich – Brüste, Hüfte und Geschlechtsorgane wachsen. Auch die erste Menstruation kann ab dieser Zeit einsetzen.

Ab 12 Jahren wachsen bei Jungen die Muskelmasse und die Geschlechtsorgane. Der erste Samenerguss erfolgt auch bald. Mit dem Ende der Pubertät kommt in der Regel der Stimmbruch.

Jugendliche entwickeln ein komplexes Denken. Sie können Konzepte, Hypothesen und detaillierte Gedankengänge konstruieren. Außerdem sind sie in der Identitätsfindung, so dass ihr Charakter sich immer weiterentwickelt. Zuneigung, die das Kind vor einigen Jahren noch unbedingt brauchte, wird immer weniger benötigt. Dagegen treten Konflikte mit den Eltern immer häufiger auf. Das Interesse am anderen Geschlecht wächst und es wird immer wichtiger, bei anderen Jugendlichen Anerkennung zu gewinnen.

J2: Zusatzuntersuchung kurz vorm Erwachsenenalter

Die Zusatzuntersuchung kann im Alter von 16 bis 17 Jahren vorgenommen werden. Die Jugendlichen sprechen mit dem Arzt vor allem über Themen wie Sexualität. Außerdem erfolgt eine allgemeine Untersuchung der Gesundheit.

Bestandteile der Untersuchung: allgemeiner Gesundheits-Check, eventuelle Störungen erkennen und behandeln (z.B. Pubertätsstörungen), Diabetes-Vorsorge, Themen: Sexualität, Beruf, Familie und Freunde.

Entwicklung des Kindes: Das Kind wird langsam wirklich selbstständig und schreitet mit großen Schritten in Richtung Erwachsensein. Sexualität ist nun ein großes Thema. Im Durchschnitt haben Jugendliche mit 15 Jahren zum ersten Mal Sex. Zwischen 16 und 19 Jahren ist das Längenwachstum in der Regel abgeschlossen, bei Mädchen ungefähr zwei Jahre früher. Mittlerweile beschäftigen sich Jugendliche schon intensiv mit komplexen Themenbereichen, z.B. Politik. Der Wortschatz beläuft sich jetzt auf 80.000 deutsche Wörter.


Weitere Themen