...im ersten Lebensjahr

Prof. Dr. med. Wolfgang Kamin
Prof. Dr. med. Wolfgang Kamin

Gerade bei frisch gebackenen Eltern lassen Begriffe wie „Dreitagefieber, Pseudo-Krupp und Tränenkanalverstopfung“ alle Alarmglocken läuten. Dabei treten Krankheiten wie diese bei Säuglingen häufig auf und sind halb so wild.

Leider ist es nicht vermeidbar, dass auch Babys hin und wieder krank werden. Allerdings lassen sich diese Krankheiten in den meisten Fällen mit einfachen Methoden behandeln. Also: kein Grund zur Panik! Für alle Arten von Beschwerden bei Neugeborenen gilt: Ruhe bewahren und bei stärker werdenden Symptomen den Kinderarzt aufsuchen. Gerade im ersten Lebensjahr gibt es typische Babykrankheiten.

Die vier„Klassiker“

Erkältung
Genau wie Erwachsene können Babys sich erkälten. Folglich treten die bekannten Symptome auf – verstopfte Nase, erhöhte Temperatur, Erschöpfung. In der Regel verschwindet die Erkältung nach 1 bis 2 Wochen wieder von selbst. Frische Luft und viel Flüssigkeit sind gut für die Schleimhäute und daher wichtig für deinen verschnupften Liebling.

Grippe
Bei einer Grippe liegt eine Infektion durch Influenzaviren vor. Diese wirkt sich bei Neugeborene im Gegensatz zu Erwachsenen deutlich stärker aus und ist daher ernst zu nehmen. Eine Grippe äußert durch Fieber, Schüttelfrost und starke Müdigkeit. Dein Baby braucht dann Ruhe und sollte wie bei einer Erkältung  viel trinken. Beobachte die Symptome und suche bei starken Beschwerden den Kinderarzt auf.

Mittelohrentzündung
Auch wenn dein Baby sich noch nicht über Beschwerden äußern kann, wirst du merken, wenn es Ohrschmerzen hat. Denn oft deuten Bewegungen in Richtung Ohr oder Hin- und Herwerfen des Kopfes darauf hin. Häufiges Schreien und Fieber können ebenfalls Anzeichen sein. Eine Mittelohrentzündung ist nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Wenn sie nicht behandelt wird, kann sie zu bleibenden Schäden im Bereich des Trommelfells und des Innenohrs führen.

Magen- und Darmprobleme
Da die Darmflora bei Neugeborenen noch nicht genug Abwehrkräfte besitzt, kommt es bei Babys häufig zu Beschwerden im Magen- und Darmbereich. Die typischen Anzeichen dafür sind Durchfall und Erbrechen. Wenn dein Sprössling sich oft übergibt und keinen festen Stuhl hat, solltest du dafür sorgen, dass er oder sie viel trinkt. Dadurch wird der Flüssigkeitsverlust wieder ausgeglichen. Auf keinen Fall darfst du deinem Baby Medikamente verabreichen. Sprich lieber mit einem Arzt, falls die Beschwerden nicht weniger werden

Weitere Erkrankungen

Dreitagefieber
Die Erkrankung lässt sich schon aus dem Begriff herleiten. Sie äußert sich durch ein plötzliches Auftreten von ansteigendem Fieber. Dieses sinkt in der Regel nach 3 Tagen wieder. Es folgt ein rötlicher Hautausschlag, nachdem die Körpertemperatur sich wieder reguliert hat. Für das Dreitagefieber gelten die gleichen Behandlungsmethoden wie für die Grippe.

Babyakne
Bis zur 3. Woche kann bei Säuglingen die sogenannte Neugeborenen-Akne auftreten. Sieht auf den ersten Blick schlimm aus – ist sie aber nicht. Die kleinen roten Punkte werden durch die Hormonausschüttung der Mutter in der letzten Schwangerschaftswoche hervorgerufen und bieten keinen Grund zur Sorge. Daher ist auch eine ärztliche Behandlung nicht unbedingt nötig.
Bei der Säuglings-Akne sieht das etwas anders aus. Diese tritt später auf, etwa zwischen dem 3. und 6. Monat, und ist vermutlich erblich bedingt. Sie löst einen starken Juckreiz aus und sollte auf jeden Fall von einem Kinderarzt behandelt werden.

Pseudo-Krupp
Der exotische Begriff beschreibt eine Entzündung im Bereich der Atemwege. Die Erkrankung kann bei Säuglingen ab 6 Monaten auftreten. Symptome sind bellender Husten, Atemnot und Fieber. Verfalle nicht in Panik, wenn dein Baby Hustenanfälle bekommt. Für solche Fälle erhältst du beim Kinderarzt kortisonhaltige Medikamente, welche die Entzündung im Hals deines Lieblings hemmen. Auch frische Luft kann lindernd wirken.

Reflux
Bei fast jedem Säugling kommt es täglich zum Reflux. Dabei fließt Magensaft zurück in die Speiseröhre. Der Grund dafür ist, dass der Muskel, welcher den Rückfluss blockiert, sich bis zum ersten Lebensjahr noch entwickelt. Die Symptome sind bei deinem Baby zu erkennen, wenn es sich nach dem Stillen überstreckt. Außerdem kann es zu vermehrtem Spucken oder Weinen nach dem Füttern kommen. Um dem Reflux vorzubeugen, solltest du dein Baby zum Füttern aufrecht halten. Das berühmt berüchtigte „Bäuerchen“ kann ebenfalls helfen.

Tränenkanalverstopfung
Wenn dein Baby tränende, entzündete und teils verklebte Augen hat, kann dies auf eine Tränenkanalverstopfung hindeuten. Dabei läuft Tränenflüssigkeit über und bietet Erregern optimale Bedingungen – Infektionen entstehen. Um diese zu vermeiden, gilt es das Auge des Babys regelmäßig mit einem weichen, lauwarmen Tuch abzuwischen und zu säubern. Vorsicht: ist eine Infektion bereits entstanden, muss immer ein frisches Tuch dafür verwendet werden!

Säuglings-Gelbsucht
Der Name täuscht, die Erkrankung ist in nahezu allen Fällen harmlos. Säuglings-Gelbsucht tritt sehr häufig bei Neugeborenen auf. Ursache ist tatsächlich die Leber. Diese ist nach der Geburt zwar schon voll ausgebildet, jedoch noch nicht ganz funktionsfähig. Daher können bestimmte Stoffe nicht vollständig ausgeschieden werden.


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